Modellbahnclub Orlabahn e.V.

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Familien- und Eisenbahnwanderungen Teil 2



Verladestelle Schotterwerk Heberndorf
(Text und Fotos: Frank Schein) 
 
Für technisch Interessierte ermöglicht eine Querfeldeinwanderung von der Verladestelle des Schotterwerkes Heberndorf  entlang der dazugehörigen Lorenseilbahn zum Steinbruch einen Einblick in fast schon vergessene Zeiten. Im Steinbruch herrscht Hochbetrieb.
Jedoch wird seit einigen Jahren die Waggonverladestelle/Hochbunker einschließlich der dazugehörigen Lorenseilbahn nicht mehr betrieben. Heute erfolgt der Abtransport des Granits nur noch per LKW. Die Anlagen zur Gleisverladung sind jedoch noch gut erhalten und man möchte meinen, es könnte sofort wieder losgehen.

Die Verladestelle befindet sich im Saale-Orla-Kreis an der Nebenbahnstrecke (Saalfeld-) Hockeroda – Unterlemnitz (-Lobenstein) zwischen dem Bahnhof Lichtentanne und dem ehemaligen Haltepunkt Zschachenmühle an freier Strecke zwischen km 12,9 und 13,2.

Von Saalfeld aus erreicht man die Verladestelle Heberndorf, indem man auf der Bundesstraße 85 in Richtung Kronach fährt. In Hockeroda zweigt die Bundesstraße 90 in Richtung Lobenstein (Leutenberg) ab. Hier befindet sich die Verladestelle ca. 3,5 km hinter dem Bahnhof Lichtentanne am Abzweig Weitisberga an einem Bahnübergang. Eine weitere Möglichkeit zur Anreise bietet auch die Autobahnabfahrt Lobenstein an der A9. Hier fährt man die B 90 in entgegengesetzter Richtung über Lobenstein und Wurzbach.

In unmittelbarer Nähe der Verladestelle ist genügend Platz, um das Auto zu parken. Nun kann man sich erst einmal getrost eine viertel Stunde die Verladestelle samt Schiebebühne und Seilspannanlage anschauen. Auch das daneben befindliche ehemalige Arbeiterwohnhaus ist sehenswert. Betreten sollte man die Anlagen jedoch nicht. Das erste Teilstück der Lorenseilbahn liegt mitten im Hochwald und mittlerweile hat sich die Vegetation ihr ehemals verlorenes Terrain fast zurückerobert. Im Wald findet man noch die Reste eines zerissenen Spannseiles und zwei abgestürzte Loren. Nach ca. 500 m endet der Wald und man hat eine schöne Aussicht über das Sormitztal in Richtung Leutenberg.

Nun führt die Trasse etwa 200 m über freies Terrain, bevor es im nächsten Waldstück weitergeht. Der Weg ist hier aber nicht mehr so anstrengend, da man auf  Forstwegen laufen kann. Nach einem weiteren halben Kilometer erreicht man den eigentlichen Steinbruch und kann die spinnenförmig verzweigten Förderbandanlagen sowie die Brechergebäude in Augenschein nehmen. Die Anlagen lassen sich sehr gut außerhalb des Betriebsgeländes einsehen. Wer sich genauer umschauen möchte, sollte dies telefonisch beim Werk hinterfragen. Nun geht es die rund 1,2 km (13 Mastfelder) zurück zur Verladestation. Wenn man Glück hat, erwischt man für ein Fotomotiv noch den zwischen Saalfeld und Lobenstein verkehrenden RE, meistens bestehend aus einem Triebwagen der Baureihe 641. Unter der Woche gibt es auch noch regen Güterverkehr zu und von den Holz verarbeitenden Betrieben in Friesau. Für den Marsch zum Steinbruch entlang der Lorenseilbahn muss man ca. 35-40 Minuten einkalkulieren. Rückwärts geht es dann etwas schneller.

Mit Schreiben vom 28. März 1931 wurde vom Thüringischen Wirtschaftsministerium in Weimar die landespolizeiliche Genehmigung zur Herstellung eines Anschlussgleises für den Granitsteinbruch in Mellenbach/Thür. der Mellenbacher Hartsteinwerke Gebr. Fischer genehmigt.

Der Hochbunker besitzt immerhin die stattlichen Außenmaße von ca. 20 m Länge, ca. 11 m Breite und einer Höhe von rund 16,5 m. In der Verladestation sind 9 Silos vorhanden, welche sich über zwei parallel liegenden Gleisen (Gleis 1 und 2) befinden. Ein drittes Gleis der Anschlußbahn ist zwischen den beiden Verladegleisen und dem Streckengleis der DB AG angeordnet. Alle drei Werksgleise münden – den engen Platzverhältnissen geschuldet – an einer Schiebebühne. Die Leerwagenzustellung erfolgte mittels Sperrfahrt vom Bahnhof Lichtentanne aus. Bei der Rücktour wurden die beladenen Waggons mitgenommen. Für den Wagenverschub innerhalb der Anschlußbahn war keine eigene Kleinlokomotive vorhanden. Hierfür sind bei der Schiebebühne sowie an der Nordseite der Verladeanlage je eine Seilzuganlage installiert. Der Verschub soll aber auch mittels Traktor erfolgt sein.

Die genaue Funktionsweise bzw. Prozedur zur Bedienung der Anschlussstelle ist mustergültig in der Fachzeitschrift Hp1-Nummer 25 auf den Seiten 102-106 in einer Reportage von Paul Hartmann beschrieben. Weiterführende Informationen zur Nebenbahn (Saalfeld-) Hockeroda – Unterlemnitz (-Lobenstein) kann man dem Buch „Die Nebenbahnen um Lobenstein“ von Joachim Käferstein entnehmen.

Wer eine Modellbahnanlage mit einem noch freien Platz besitzt oder gerade mit der Anlagenplanung beschäftigt ist, findet hier bestimmt ein paar Anregungen.

Für eine Kombination des Ausfluges mit einem Gaststättenbesuch bietet sich die „Waldgaststätte“, direkt gegenüber dem Bahnhof Lichtentanne gelegen, an. Aber auch in Neumühle gibt es eine ansprechende Lokalität. Die Ortslage Neumühle liegt ungefähr 0,5 km von der Verladestation Heberndorf in Richtung Wurzbach entfernt, direkt an der B 90. Zur Abrundung eines Familienausfluges bietet sich auch noch ein Besuch des Mineralienmuseums in der Zschachenmühle an. Diese befindet sich ca. 1,5 km hinter der Ortslage Neumühle ebenfalls direkt an der B 90.

In eigener Sache sind ein paar Dinge berücksichtigen:

- Zur Wanderung sollte man unbedingt festes Schuhwerk und nicht gerade die allerbeste Kleidung anziehen, da man sich bei einem Teil der Trasse durch das Unterholz kämpfen muss.
- Ratsam ist die Wanderung in einer vegetationsarmen Zeit, da so der Einblick auf die Seilbahn besser ist.
- Wenn man diese Wanderung als Sonntagsausflug unternehmen möchte, sollte man die im Anhang aufgeführten Bilder besser vorher seiner Familie zeigen, bevor es dann an Ort und Stelle zu Unmutsäußerungen kommt.
- Fotoapparat, Bandmaß, Zollstock, Zeichenpapier und Stifte sind nicht zu vergessen.
- PS: Ich habe die Wanderung das erste Mal 2004 mit meinem damals 8 Jahre alten Sohn unternommen. Heute erinnert er sich noch gern an die Verladeanlage mit der dazugehörigen Lorenseilbahn. Bei einer weiteren Tour im März 2007 war er wieder mit von der Partie.

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Bild 1: Gesamtansicht des Hochbunkers einschließlich ehemaligem Arbeiterwohnhaus; aufgenommen vom Abzweig Weitisberga an der Bundesstraße 90


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Bild 2: Gesamtansicht des Hochbunkers mit Spannwerk der Lorenseilbahn


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Bild 3: Seitenansicht der Verladestelle aus Richtung Schiebebühne; das Streckengleis befindet sich rechts unterhalb des Geländers


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Bild 4: gegenüberliegende Seitenansicht der Verladestelle in Richtung Schiebebühne


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Bild 5: Das ehemals genutzte Arbeiterwohnhaus; erbaut 1935 


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Bild 6: Blick unter die Verladestelle am Gleis 2; in der Mitte die Gleiswaage


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Bild 7: Blick unter die einzelnen Silos und deren Entleerungsvorrichtung


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Bild 8: Detailansicht Steuerstand Verladeeinrichtung (Waggonbefüllung)


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Bild 9: Frontansicht Geräteschuppen


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Bild 10: Blick in Richtung Anschlussweiche; rechts die Fernsprecherbude


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Bild 11: Das Seilspannwerk der Lorenseilbahn mit Straßenüberführung


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Bild 12: Einfahrbauwerk der Lorenseilbahn in den Hochbunker


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Bild 13: Detailaufnahme des Spannwerkes


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Bild 14: Detailaufnahme Umlenkrolle der Seilzuganlage


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Bild 15: Schiebebühne; dahinter befindet sich der Motor mit Winde für eine der beiden Seilzuganlagen


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Bild 16: Frontansicht der Schiebebühne


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Bild 17: Rückblick auf das Einfahrbauwerk am Verladebunker


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Bild 18: Mast der Lorenseilbahn


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Bild 19: Weiterer Mast der Lorenseilbahn


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Bild 20: Abgestürzte Lore


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Bild 21: Detailansicht Mastfuß einer Stütze der Lorenseilbahn


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Bild 22: Weitere Stütze der Lorenseilbahn
(12 Stützen sind vorhanden)


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Bild 23: Die Brecheranlage im Steinbruch – alles grau in grau 


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Bild 24: Einfahrbauwerk Brecheranlage

Modellbahnclub Orlabahn e.V. 02.01.2009, 14.43

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Michael Doleschel

Hallo,

ein sehr schöner Bericht, auf den ich Aufmerksam wurde, weil ein paar Modellbahnkollegen über den Nachbau grübeln.

Was mich persönlich interessiert, hat die Stahlstrebenwand am Hochbunker (zur Bühnenseite) eine spezielle Funktion?

Man kann das leider auf den Bildern nicht richtig erkennen. Lediglich dass sie bündig im Mauerwerk eingebracht ist und nicht aufträgt.

Danke für eine Info,


Michael

vom 14.05.2009, 13.43
1. von

:ok:

vom 08.05.2009, 23.51

MEC "Orlabahn" e.V. Pößneck

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Oliver Pücher
Hallo! Ich bin morgen wieder einmal in Neustadt, wann kann man bei Ihnen denn mal vorbeikommen, oder geht das nur an öffentlichen Fahrtagen?, bin so ein bis dreimal im Jahr in Neustadt/Pößneck. Danke und grüße
Oliver Pücher
Themagicfriend@web.de :) :ok:
6.4.2015-12:38
TT
Eure Ausstellung war der HAMMER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :) :) :) :)
7.11.2014-15:20
TT
Das mit den Diorama-Teilen ist eine coole Sache ! :) ;) :cool: :ok:
17.9.2014-20:20
TT
Eure Ausstellungen sind der Hammer !!! Macht weiter so !!! Ihr seid einfach nur spitze !!! :ok:
10.4.2014-16:46
TT
:) :) :) :)
31.1.2014-17:01
H0
Eure Ausstellungen sind immer :ok: vom feinsten :ok: :cool: :ok:
31.1.2014-16:59
Hello
Klasse Arbeit die Ziehmestalbrücke !!!

Baut doch noch ein TRANSRAPID durchs Orlatal... ;)

Viel Erfolg in der Shedhalle... :ok:
4.10.2010-11:33
INGE
Bezgl. d. Bau's der Haltestelle 'Schweinitz' - hat sich da schon eine Initiative gegründet ??
25.11.2009-19:40
MR
Oh... neue HP :ok:
27.1.2009-18:46
Andre
Viele Grüße an den Club! Eure Ausstellung war wieder GANZ toll. :ok:
31.12.2008-15:50